Ein paar Leseproben 

Peter Köhler

 

Na dann!

 

Don Nudelbachs Bestleistung ließ sich sehen: Im einarmigen Handstand hatte er 83   Stunden ausgeharrt und dabei einen Hocker, ein Klavier und ein Einfamilienhaus auf den Füßen balanciert, ohne zu atmen. Auch Signor Demmel schaffte es ins Guinnessbuch: Er schlug sich mit dem Hammer in 24 Stunden genau 47.618-mal auf den Schädel - zweimal mehr als der alte Rekordhalter! Ebenfalls stolz sein konnte.

Frl. Rampel. Die Fleischfachverkäuferin hatte sich selbst in dünne Scheiben geschnitten und noch neun Minuten, 43 Sekunden und fünf Zehntel gelebt, bis sie verblutet war. Rekord! Dagegen scheiterte Effendi Boll knapp: Er stürzte sich vom Berliner Fernsehturm und schlug drei Hundertstel zu spät auf. Na, vielleicht beim nächsten Mal.

 

 

Klaus Pawlowski

 

Zeitnah nachhaltig

 

Das schöne Wort "nachhaltig" wird fürs Gestalten

von Bedingungen nachhaltig vorgehalten.

Nachhaltig ist, was man zeitnah so macht

und was nachher noch vorhält,

sagen wir, bis um acht.

 

So sind Steuersenkungen für unser Land,

sagt Frau Merkel, nachhaltig systemrelevant.

Doch wegen des Zeitfensters wissen wir nicht,

ob das nachhält, was sie uns zeitnah verspricht.

Das verwirrt mich nicht mehr. Doch find' ich privat

Nachhaltigkeit nahzeitlich sehr delikat.

 

Was meine Liebste mir zeitnah verspricht,

nachhaltig zu halten, gelingt ihr meist nicht.

Doch ich soll bei zeitnahen Schmuserei'n,

wenn meine Zeit nah ist, noch nachhaltig sein.

Danach halt' ich mich wieder zeitnah bereit,

sonst beklagt sie noch mangelnde Nachhaltigkeit.

 

Die Zeit naht, da werde ich nachhaltig alt.

Zeitnah seh' ich's an Gesicht und Gestalt.

Mein Zeitfenster ist eben nicht mehr so breit.

Doch hoffe ich auf etwas Nachhaltigkeit,

wenn ich zeitnah jogge und mich wenig stresse

und ballaststoffreich, also nachhaltig esse.

 

Ja, schwer ist's, Nachhaltigkeit vorzuhalten

und nachhaltig besser, zeitnah zu gestalten.

Wie dieses Gedicht, das kaum nachhaltig ist.

Mich stört es nicht, wenn man es zeitnah vergisst.

 

 

Reinhard Umbach

 

Fische sind Helden

 

Fische kann man, Barsch wie Flundern,

nur für ihren Mut bewundern.

Denn sie schwimmen ungeschützt,

wenn's bei Sturm ins Wasser blitzt.

 

Badende im Schwimmbad sollen

schon beim ersten Donnergrollen

aus dem Wasser, weil es leitet

und dem Strom den Weg bereitet.

 

Wer jedoch denkt da ans große

ozeanisch Uferlose

mit den armen Fischlein drinnen?

Wer soll da dem Blitz entrinnen?

 

Gut, man kann auf Stachelrochen,

Zitteraal und Welse pochen,

die sogar nach oben tauchen,

weil sie jeden Stromschlag brauchen,

 

der den Akku, der sie hüllt,

wieder voll mit Volt anfüllt.

Und man kann den Lachsforellen

unverblümt die Frage stellen,

 

was der Wechselstrom denn bietet,

wenn der sie per Blitz umnietet

oder was der Wurm im Watt

außer Sand zu suchen hat.

 

Doch Dephinen und Sardinen

wachsen keine Stromturbinen,

um im Wasser Licht zu machen,

wenn die Blitze niederkrachen.

 

Weder Butt noch Bachforellen

haben dafür Babyzellen.

Alle müssen bei Gewittern

hunderttausend Volt durchzittern,

 

werden, wenn die Gischt anschwillt,

in den Fluten nassgegrillt,

und es droht per Reihenschaltung

Heringsschwärmen Grätenspaltung.

 

Und wer rettet die Garnelen,

die sich praktisch selbst empfehlen,

wenn sie vom Tentakelbart

bis zum Schwanz der Stromstoß gart?

 

Man kann's drehen, wie man will:

Das sind Helden, selbst der Krill.